„Die Mockridges“: Interview mit Margie Kinsky & Bill Mockridge

Nach einer halben Stunde (am Telefon) mit Margie und Bill blieb nur noch eins zu sagen: Hach, bitte adoptiert mich! Wirklich, wäre meine eigene Familie nicht genau so toll, würde ich kurzerhand meine Sachen packen.

Teil 1 meines Interviews mit Margie Kinsky und Bill Mockridge findet ihr bereits auf BUNTE.de. Die beiden haben mir unter anderem verraten, wie ihr Sohn Luke Mockridge so erfolgreich wurde. Teil 2 folgt am 22. Dezember, pünktlich zum Start der zweiten Staffel ihrer Sitcom „Die Mockridges“ im WDR! Um 22:55 Uhr zeigt der Sender zuallererst die Weihnachtsfolge, ab dem 26. Dezember folgen dann ale 6 Episoden. Verpasst? Kein Problem. Die DVD ist schon ab dem 27. Dezember erhältlich!

Nicht genug? Hier findet ihr mein Interview in voller Länge!

Woher kam die Idee, eine eigene Sitcom zu drehen?

Bill: Der WDR hat mir eine SMS geschickt und gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mit Margie und mit Luke eine Comedy-Show zu machen. Sie haben gesagt, wir finden euch so spannend und bieten euch sozusagen blanko an, was wollt ihr beim WDR machen? Wir haben uns dann hingesetzt und gesagt, bevor wir eine Comedy-Show oder Sketch-Show machen, würden wir lieber eine Familiengeschichte erzählen. Wir sind große Fans der amerikanischen Serie „Modern Family“ und haben gesagt, wir könnten uns so etwas vorstellen. Aber keine Reality-Doku wie die Wollnys oder die Geissens, sondern so, als wäre der WDR bei uns zu Hause – aber als geschriebene Sitcom. Das schwebte uns vor. Sie haben die Idee weiterentwickelt und Autoren gefunden. Und wir haben dann gesagt, das ist sehr witzig, das würden wir gerne machen. Das waren die ersten vier Folgen.

Margie: Und das war so ein Erfolg und alle fanden das so witzig, dass der WDR kam und gesagt hat, wir machen noch mal sechs.

Wisst ihr schon, ob es eine dritte Staffel geben wird?

Margie: Das hängt von euch Zuschauern ab. Das wär toll, das wär witzig.

Wie sehr könnt ihr denn ihr selbst sein in eurer Sitcom?

Margie: Das Witzige ist, wir spielen ja uns. Wir sind wir. Das ist einmalig, das gibt es so nicht. Ich spiele Margie, Bill ist Bill, Luke ist Luke und unser Mops Berta ist wirklich Berta. Und das Haus, in dem wir gedreht haben, ist ganz ähnlich wie unseres. Unsere Klamotten sind da drin. Ich habe ja eine Sammlung von Heiligenfiguren und Krippen, die sind alle da rüber gekarrt worden. Bei den Briefings haben wir sehr viel Input gegeben von uns.

Bill: Wir haben ganz viele Geschichten erzählt aus unserem Leben. Margie von sich, ich von mir, Luki von sich. Die Autoren haben natürlich nicht alles genommen – nur das, was sie gut fanden – und es dann zu Geschichten zusammengebaut. Die Grundlage, das Fundament, ist alles Mockridge-Kinsky. Und dann wurde natürlich alles mit der Comedy-Schraube, mit der Dramaturgie-Schraube zusammengepfeffert.

Was macht mehr Spaß: Geschriebene Drehbücher zu spielen oder auf der Bühne zu improvisieren?

Margie: Ich hab ja 33 Jahre lang die Impro-Comedy gemacht und bin jetzt solo unterwegs mit „Ich bin so wild nach deinem Erdbeerpudding“. Wenn ich ehrlich bin, hat beides seine Vorteile. Das tolle an der Bühne ist, es ist eine unmittelbare, sofortige Freude da. Wenn du dich versprichst, dann versprichst du dich. Du kannst entweder einen Witz drüber machen oder weiter zum nächsten gehen. Fernsehen ist natürlich eher: ‚Und noch mal, und noch mal, und von der anderen Seite …’

Bill: Aber dafür hast du dann vier Folgen oder sechs, die für die Ewigkeit da sind. Eine sehr gelungene Theateraufführung ist wunderbar, aber du gehst nach Hause und erzählst davon und alle sagen, ‚Ja schön, ich war aber nicht da’. Bei einer Fernsehserie kannst du sagen, ‚Ich kann dir aber eine DVD schicken’. Im Fernsehen hast du nicht diesen unmittelbaren Erfolg, aber einen Erfolg, der dauerhaft ist, und sichtbar für die nächsten 50 Jahre.

Schaut ihr euch die Serie alle zusammen an?

Margie: Wenn es sich ergibt. Wenn einer von den Jungs hier ist zwischen den Jahren, oder zwei, das wär schon lustig. Der Sendetermin ist natürlich super für uns, weil die Menschen zu Hause hocken, alle zu viel gegessen haben und auf dem Sofa sitzen und sagen, ‚Hey, lasst uns die bekloppte Familie angucken’.

Bill: Wir durften beim Kölner Filmfestival zwei Folgen zeigen und da waren fünf von den Jungs mit dabei. Das heißt, die Jungs kennen einige von den Folgen aus der Staffel. Das Witzige als Schauspieler ist, du guckst es dir vielleicht einmal an, aber dann schaust du nach vorne. Es gibt, glaube ich, wenige Schauspieler, die zu Hause sitzen und sich das immer wieder angucken. Macht man irgendwie nicht. Das ist dann abgehakt.

Margie: Ich finde, das Spannende ist, dass es wirklich unsere ganze Familie ist. Das ist ein ganz tolles Zeugnis und Dokument, was die Jungs dann ihren Kindern und ihren Frauen und wir unseren Enkeln zeigen können. Eine Serie zu spielen, die deinen Namen trägt, das ist was anderes als ‚Lindenstraße’.

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Das perfekte Geschenk zu Weihnachten. Oder Neujahr. „Die Mockridges – Staffel 2“

Ihr habt ja sechs Jungs. Was passiert denn, wenn alle ihre Frauen mitbringen? Klappt das, dass ihr alle mal zur gleichen Zeit am gleichen Ort seid?

Margie: Im Moment sind viele getrennt und es gibt nur einen, der eine feste Freundin hat. Aber wenn das passiert, find ich das toll. Ich bin ja Italienerin und so ein Riesentisch mit Tausend Kindern und viel Essen, das ist das Schönste, was es gibt für mich.

Ist das an Weihnachten auch so?

Margie: Ja, ja, an Weihnachten sind alle da. Alle, alle. Die müssen an Weihnachten kommen, Heiligabend ist mir heilig. Was am 25. und 26. passiert, ist mir wurscht, aber der 24. ist ganz wichtig. Bill kocht, er ist der große Kocher. Ich bin in Rom aufgewachsen, ich bin römisch-katholisch-neurotisch, sage ich immer. Kirche und Krippe und Heiligkeiten, leckeres Essen… genau so, wie man sich das vorstellt.

Bill: An Heiligabend machen wir nach der Bescherung immer das, was wir Bethlehem-Essen nennen. Als sie ganz klein waren, habe ich sie gefragt, ‚Was könnt ihr euch vorstellen, was haben Josef und Maria damals gegessen?’ und dann kam natürlich zuerst ‚McDonalds wahrscheinlich. Und Würstchen!’. ‚Jaa, denkt noch mal genauer nach’ … ‚Es gab sicher Obst und Brot und Oliven’. Jedes Jahr wurde das ein bisschen mehr, aber die Idee ist, dass man nur auf Holzbrettern isst und vor allem zu acht oder zu neunt mit der Oma den Abend verbringt. Da ist eine große Gemeinsamkeit. Gerade dadurch, dass das Essen nicht mit Messer und Gabel, sondern sehr primitiv, aber schön gegessen wird. Am nächsten Tag gibt’s dann ganz kanadisch Turkey, am übernächsten Tag meistens Fisch. Und am Tag danach gibt’s Reste.

Margie: Bei sechs Jungs gibt’s keine Reste, aber wir nennen das so. Es geht einfach immer weiter, die sind gerade vom Tisch aufgestanden und dann geht’s von vorne los. Das steht nachts alles in der Küche und am nächsten Morgen ist es weg.

Eure Jungs haben alle kreative Berufe gewählt. Habt ihr euch das so gewünscht?

Bill: Lehrer reden sehr viel über die Schule und haben dann auch Lehrer als Nachwuchs, bei Ärzten ist es dasselbe. Ich glaube, bei Schauspielern auch. Wir haben hier ein eigenes Theater in Bonn, das ‚Haus der Springmaus’. Margie war jeden Abend auf der Bühne, ich jeden Tag vor der Kamera. Das Gespräch war tagtäglich, ‚Wie voll war das Theater? Wie hat es den Leuten gefallen? Haben sie gelacht? Hat es ihnen wirklich gefallen?’ Es ging immer darum, wie kann man Menschen unterhalten und fröhlich machen? Das ist natürlich eine schöne Aufgabe und die Jungs haben alle versucht, diese Ausgabe auf ihre Art und Weise zu lösen. Einer ist Regisseur, einer ist Autor und Motivational Speaker, einer ist Comedian, einer ist Komponist, einer ist Schauspieler und einer Schauspieler und DJ. Die Position Regie war besetzt, dann hat der nächste gesagt, ok, dann mach ich was anderes. Jeder hat sich das gesucht, was noch frei war, und sie machen das mit außerordentlicher Leidenschaft. Ich hab ihnen immer gesagt, finde etwas, das du mit Leidenschaft tust und du wirst nie arbeiten müssen. Und das stimmt. Die Freude, die sie an ihren Berufen haben, vermitteln sie. Sie sind auch Gott sei Dank sehr erfolgreich.

Margie: Lenny hat auch die Musik für unsere Serie gemacht! Das ist schon witzig, wir spielen mit und er macht die Musik.

Ihr seid beide vielbeschäftigt und trotzdem hat man das Gefühl, die Familie steht an erster Stelle. Wie habt ihr das geschafft?

Margie: Das Wichtigste ist, eine supergeile Oma zu haben. Ich sag immer, am siebten Tag schuf der liebe Gott die Oma. Und dadurch, dass wir immer abends gearbeitet haben, waren wir für die wichtigste Zeit da. Wir haben immer zusammen zu Mittag gegessen – da kamen die guten Gespräche. Bill hat sie immer morgens in die Schule gefahren, da konnte man auch gut sprechen. Und wenn wir nicht da waren, war die Oma da. Aber wir waren eigentlich mehr zu Hause als normale Eltern, die tagsüber arbeiten.

Bill: Ich hatte auch das große Glück, ich habe nicht jeden Tag bei der Lindenstraße gedreht. Aber wenn ich gedreht habe, war ich um 17 oder 18 Uhr zu Hause und konnte die Jungs übernehmen. Margie hat Recht, wir haben tierisch viel gearbeitet, aber trotzdem waren wir viel zu Hause.

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Stand es bei euch jemals zur Debatte, nach Italien oder Kanada auszuwandern?

Margie: Immer wieder mal, wenn es knallt. Italien ist sowieso nicht gut. Italien ist schön, um mal schnell hinzufliegen, Kaffee zu trinken und in den Himmel zu gucken. Ich komme ja aus Rom, der schönsten Stadt. Aber politisch und wirtschaftlich ist das da wirklich ein Chaos. Die Kinder meiner Freundinnen sind alle mit 30 zu Hause und haben keinen Job. Das ist wirklich nicht schön. Aber Kanada ist supergeil.

Bill: Wir hatten vor vielen Jahren das große Glück, eine Blockhütte in Kanada am See zu kaufen. Die Jungs sind auch Kanadier und Italiener. Sie sind immer für zwei Monate da im Sommer und lernen ihre kanadischen Wurzeln kennen. So dass die Notwendigkeit nie da war. Kanada ist ein tolles Land, aber wenn ich ganz ehrlich bin, ich bin lieber in Europa. Ich bin ein Europäer. Ich bin gerne bei Margie zu Hause in Rom oder bei einem Teil meiner Familie in London. Das europäische Gefühl finde ich großartig. Kanada ist wunderschön, von Ost nach West. Aber du bist immer in Kanada. Immer das gleiche Geld, das gleiche Essen und die gleichen Menschen. Hier fährst du zwei Stunden nach Brüssel und alles ist anders. Ich bin sehr für das europäische Leben.

Sprecht ihr zu Hause auch Englisch und Italienisch?

Bill: Margie hat mit den Kindern von Anfang an nur Italienisch gesprochen, die Oma auch. Das war ihre erste Sprache. Ich hab immer Englisch mit ihnen gesprochen, ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, mit meinen kleinen Kindern Deutsch zu sprechen. Deutsch haben sie untereinander gesprochen haben, weil das die Sprache ihrer Freunde war.

Seid ihr lockere oder strenge Eltern?

Bill: Das weiß ich ganz genau. Ich würde sagen, es läuft nach einem bekannten Muster. Margie war immer die Strengere. Sie ist sehr nachhaltig, was Hausaufgaben und Noten angeht. ‚Du hast bis 10 Uhr zu Hause zu sein und nicht um zehn nach.’ Sie war immer sehr, sehr streng. Und ich bin so ein Alt-68er und finde, man muss mit den Menschen reden und verhandeln. Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Kompromissen und Deals. Da gab es immer wieder Spannung zwischen uns beiden. Ich war immer der, der gesagt hat, lass uns ein bisschen einlenken und sie hat gesagt, nein bleibt nein. Ich glaube, es ist die Mischung aus beidem. Ich glaube nicht, dass mein Weg grundsätzlich der richtige und bessere ist. Die Jungs haben gespürt, dass wir sie unheimlich lieben und respektieren. Jeder hat auf seine Art und Weise versucht, das Problem zu lösen und ich glaube, die Jungs sind ganz gut durchgekommen.

Luke ist sehr erfolgreich zurzeit. Wie eng ist euer Verhältnis? Gebt ihr ihm Tipps?

Bill: Ja, auf jeden Fall. Weil das schon immer so war. Luke ist auch als kleiner Junge schon ins Theater gekommen und hat seiner Mama zugeschaut. Er hat neben mir gesessen und gesagt, ‚Das war witzig, das war nicht witzig’. Er hat die Comedy auf der Bühne richtig analysiert. Margie hatte mich jahrelang als Regisseur. Das heißt, sie ist es gewohnt, dass ich nachher komme und ihr Kritik gebe. Ich bin auch immer dankbar für Kritik. Margie und Luki kommen auch und sagen ihre Meinung. Das ist Teil unseres Familienlebens.

Nutzt er auch eure Kontakte? Stefan Raab ist ein großer Förderer, kam das durch euch so?

Bill: Es ist nicht so, dass ich Stefan angerufen habe und gesagt habe, ‚Nimm den Luki’. Das kam eher durch Brainpool, die Stefan damals hatten. Aber selbst wenn. Natürlich haben wir verschiedene Türen aufgemacht, aber ich sage immer, ‚Ich kann die Tür aufmachen, aber du musst durchgehen und musst dann auch noch im Raum bestehen’. Da hilft dir nicht, dass du der Sohn von Margie Kinsky und Bill Mockridge bist, das interessiert das Publikum nicht. Du musst für dich bestehen. Wenn ich zurückdenke, haben wir auch nicht so viele Türen aufgemacht. Jeder Vater und jede Mutter versucht, ihrem Kind zu helfen. Aber das Kind muss bestehen.

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2 thoughts on “„Die Mockridges“: Interview mit Margie Kinsky & Bill Mockridge

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